Monatsarchiv für Februar 2011

Kritik an GDL-Warnstreiks

28. Februar 2011

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat sich kritisch zu den Warnstreiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geäußert. Was die Lokführer in dem Tarifkonflikt „im Vergleich zu den anderen Gruppen zusätzlich herausholen, ist für den Rest der Bahn-Beschäftigten verloren“. Er  halte mehr von Solidarität, von Zusammenarbeit der Gewerkschaften. Dem habe sich die GDL bis heute komplett entzogen.

Die GDL ist nicht Mitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sondern gehört dem Beamtenbund an. Mit zwei Warnstreiks legte sie bereits Teile des Bahnverkehrs stundenlang lahm. Weitere Warnstreiks schloss die Gewerkschaft nicht aus. Die GDL will mit dem Arbeitskampf für die rund 26.000 Lokführer flächendeckende Tarifstandards auf dem Niveau der Deutschen Bahn durchsetzen. Davon würden vor allem Lokführer bei Bahn-Konkurrenten profitieren.

Sommer wies darauf hin, dass die Lokführer völlig legal streikten. Die GDL sei für diesen Organisationsbereich zuständig. Sommer: „Dass sie ordentliche Bezahlung fordern, kann ich verstehen und trotzdem bezweifle ich, dass die GDL richtig liegt.”

Urabstimmung eingeleitet

26. Februar 2011

Nach einem ersten bundesweiten Warnstreik der Lokführer am Dienstag, 22. Februar, hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit neuen Arbeitskämpfen gedroht und eine Urabstimmung über Dauer-Streiks eingeleitet.

„Ob wir mit dem Arbeitskampf unserem Ziel ein Stück näher gerückt sind, können allein die Arbeitgeber beantworten”, meint GDL-Chef Claus Weselsky. Sieben Monate Verhandlungen ohne Ergebnis seien Grund genug, den Druck mit weiteren Arbeitskämpfen zu erhöhen. Bis das Ergebnis der Urabstimmung vorliegt, könne es weitere Warnstreiks geben.

Erneut Warnstreiks

25. Februar 2011

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat für Freitagmorgen zwischen 8:30 und 11:30 Uhr bundesweite Warnstreiks angekündigt. Sie will damit den Druck auf die Deutsche Bahn (DB) und die sechs größten Privatbahnunternehmen erhöhen. Pendler müssen sich auf Beeinträchtigungen im Bahnverkehr einstellen. „DB und die sechs Privatbahnen müssen jetzt deutlich nachbessern, um weitere Arbeitskämpfe abzuwenden“, erklärt GDL-Chef Claus Weselsky. Er  begründet den zweiten Warnstreik innerhalb von vier Tagen so: „Damit zeigen wir den Arbeitgebern die Gelbe Karte für ihr perfides Spiel auf Zeit.“ Ein Streikpunkt der GDL mit den Arbeitgebern ist, dass man einen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer fordert, und der soll unabhängig davon sein, ob sie bei der Bahn oder deren Konkurrenten beschäftigt sind.

Während und auch noch nach dem Streik sollen, nach Auskunft der DB, zusätzliche Servicekräfte die Kunden unterstützen. Doch die Bahn empfiehlt ihren Reisenden, sich vor Antritt der Fahrt über die Auswirkungen des Streiks genau zu informieren. 

Betroffen von den Streiks sind die Deutsche Bahn, Abelli, Arriva Deutschland, BeNEX, Keolis Deutschland, Veolia Verkehr, unter anderem mit seiner Tochtergesellschaft MRB, und die Unternehmen der Hessischen Landesbahnen.

Für weitere Auskünfte hat die Bahn eine kostenfreie Telefon-Hotline unter 08000 996633 eingerichtet.

Aufgabenträger kritisieren höhere Trassenpreise

24. Februar 2011

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr in Deutschland kritisiert die DB Netz AG dafür, dass sie die Trassenpreise fürs kommende Fahrplanjahr um durchschnittlich 2,5 Prozent  anheben möchte. Dies sei nicht sachlich nachvollziehbar und sorge kommendes Jahr bundesweit für eine Mehrbelastung in Höhe von rund 70 Millionen Euro. Insbesondere vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren vorangetriebenen Rationalisierung der Infrastruktur könne von tatsächlichen Mehrkosten für DB Netz keine Rede sein. Unter Berufung auf die „Marktuntersuchung Eisenbahn 2010“ der Bundesnetzagentur weist die Bundesarbeitsgemeinschaft darauf hin, dass die Steigerung der Trassenpreise auch dort als deutlich über der allgemeinen Inflation liegend bewertet wird. Die Aufgabenträger sehen zudem ein Ungleichgewicht bei den Preissteigerungen seit 2003 zum Nachteil des Nahverkehrs. So stiegen die Trassenpreise für vor allem durch den eigenwirtschaftlichen Fernverkehr genutzte Strecken der Kategorie F Plus nur um sechs Prozent, während die hauptsächlich vom subventionierten Nahverkehr in Anspruch genommenen Kategorien F 6, Z 1 und Z 2 zwischen 2003 und 2012 um 29 bis 38 Prozent teurer wurden.

Nürnberg: S2-Wagen werden modernisiert

23. Februar 2011

Die DB will bis April 2012 alle 48 Reisezuwagen für die Nürnberger S-Bahnlinie 2 (Altdorf – Roth) einem Redesign unterziehen. Die Kosten von 3,6 Mio. Euro teilen sich DB Regio und die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die dafür so genannte Pönale-Mittel (Strafgelder, die Verkehrsunternehmen bei Qualitätsmängeln zahlen müssen) zur Verfügung stellt.
Ein DB-Sprecher sagte dem Privatbahn-Magazin, es sei schon immer geplant gewesen, weiterhin eine S-Bahn-Linie in Nürnberg mit x-Wagen und Loks der Baureihe 143 zu betreiben. Die Wagen werden außen und innen neu lackiert und mit neuen Polstern und Fußböden ausgestattet. Zudem werden rund 1.700 zerkratzte Außen- und Trennscheiben ausgewechselt. Zwölf Wagen sind als Steuerwagen in Betrieb. Sie erhalten mobile Überfahrrampen, elektronische Fahrtzielanzeige und eine so genannte Kundeninformation an der Stirnseite.

Lokführer warnstreiken im Berufsverkehr

23. Februar 2011

Nach Angaben der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) sind am 22. Februar während eines Warnstreiks im morgendlichen Berufsverkehr rund 80 Prozent der Züge der Deutschen Bahn und der sechs großen Schienenpersonenverkehrsunternehmen (Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia, Hessische Landesbahn) ausgefallen oder haben sich massiv verspätet. Die GDL teilte weiter mit, die S-Bahn Stuttgart sei komplett stillgestanden, auch in Dresden „ging nichts mehr“. In Ostdeutschland habe der Arbeitskampf stärkere Auswirkungen, da es dort keine Beamten mehr gebe.
Die DB informierte, es seien die S-Bahnen in Berlin, Nürnberg, Stuttgart, im Rhein-Main-Gebiet und Nordhrein-Westfalen betroffen. In Hamburg und München ist es am Morgen laut DB nur zu Verspätungen gekommen.
Hintergrund für den Warnstreik ist die Forderung der GDL nach einem Flächentarifvertrag für Lokführer. Sie will nach eigenen Angaben ein einheitliches Mindesteinkommen auf DB-Niveau erreichen. Die Deutsche Bahn kritisierte den Streik und betonte ihre Bereitschaft, weiter zu verhandeln.
Die Metronom-Eisenbahngesellschaft, die ebenfalls vom Streik betroffen war, erinnerte daran, dass die GDL eine Beteiligung am Branchentarifvertrag für den Schienenpersonennahverkehr (das Privatbahn-Magazin berichtete), der am 14. Februar unterzeichnet worden war, strikt abgelehnt habe. Bei Metronom gibt es einen firmenbezogenen Verbandstarifvertrag, der weiter gehe, wie Metronomsprecherin Hannah Kohn erläutert.
Unübersichtlich ist die Situation auch, weil es im Eisenbahnsektor miteinander konkurrierende Gewerkschaften gibt. So warf die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) der GDL vor, „mit ihren Forderungen nach einem für alle Lokführer geltenden Tarifvertrag die Realitäten der Arbeitswelt zu verkennen“.

Eisenbahn-Fahrgastrechte auch für Fernbuslinien

23. Februar 2011

Der Fahrgastverband Pro Bahn e.V. fordert für potenzielle Fernbuslinien die gleichen Fahrgastrechte, die auch bei der Eisenbahn gelten. Die besagen, dass es ab einer Verspätung von mehr als einer Stunde 25 Prozent des Fahrpreises zurück gibt und ab einer Verspätung von über zehn Stunden sogar 50 Prozent des Fahrpreises. Um gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Fernbus und -zug zu schaffen, müsse es auch gleiche Fahrgastrechte geben, heißt es. Pro Bahn Rechtsexperte Rainer Engel: „Künftig müssen Fahrgäste an Bushaltestellen zwei Stunden bei Wind und Wetter und ohne jede Fahrgastinformation ausharren, bevor sie irgendwelche Rechte geltend machen können, weil ihr Bus nicht kommt.“ Die Fahrgastrechte gelten erst, wenn die Reisedistanz des Busses 250 Kilometer überschreitet. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Fahrgast auch tatsächlich 250 Kilometer weit mitfährt. Für Busse etwa von Aachen nach Trier, von Luxemburg nach Saarbrücken oder von Berlin nach Stettin würden keinerlei Entschädigungsregeln gelten. Pro Bahn Chef Karl-Peter Naumann: „Die Pläne der Bundesregierung zur Liberalisierung der Fernbus-Verbindungen in Deutschland sind ein Generalangriff auf die Rechte der Verbraucher auf verlässliche Fahrpläne, pünktliche Beförderung, durchgehende Fahrkarten und gesicherte Anschlüsse.“ Auch die Fahrscheinproblematik im Vor- und Nachlauf ist für Pro Bahn ein Problem. Naumann: „ Wer heute von Hamburg nach Eberswalde fahren will, bekommt für den Zug selbstverständlich einen durchgehenden Fahrschein. Fährt er aber mit dem Bus bis Berlin, so gibt es weder einen durchgehenden Fahrschein noch eine Garantie für den Anschluss.“

Kundenfreundliche ÖPNV-Projekte

22. Februar 2011

Der ökologische Verkehrsclub VCD startete jetzt seinen Wettbewerb „Königliche Verhältnisse in Bus und Bahn“. Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbünde und Kommunen können ihre serviceorientierten Projekte für einen besseren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dabei einreichen. Eine Fachjury aus VCD, dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) und der Bundesvereinigung kommunaler Spitzenverbände wählt die innovativsten Projekte aus. In drei Kategorien können Vorschläge eingereicht werden:
1) In die Kategorie „Komfort/Sicherheit/Service“ passen zum Beispiel Angebote für Zielgruppen wie Senioren, Familien, Neubürger oder Pendler, Projekte zur Personalentwicklung, zur Stärkung der subjektiven Sicherheit, attraktive Serviceleistungen oder innovative Vertriebsformen.
2) Im Bereich „Kommunikation“ können etwa Maßnahmen zur zielgruppenspezifischen Kundenansprache, zu verbesserter Fahrgastinformation oder -beteiligung eingereicht werden.
3) In der Kategorie „Gesamt-System“ sind Maßnahmen zur inter- und intramodalen Verkehrsmittelverknüpfung, zu intelligenten Bedarfs- und Sonderverkehren oder verbesserter Erschließung denkbar.
Bis zum 20. Mai 2011 können Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbünde und Kommunen Projekte einreichen. Erstmals wird ein Publikumspreis für die aus Fahrgastsicht ansprechendste ÖPNV-Werbung vergeben. Die Abstimmung hierfür erfolgt online auf der VCD-Homepage und läuft vom 23. Mai bis 13. Juni.

Warnstreik angedroht

22. Februar 2011

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beginnt mit ihren Warnstreiks. Zwischen 6 und 8 Uhr legen die Lokführer die Arbeit nieder. Welche Auswirkungen der Zwei-Stunden-Streik auf den späteren Bahnverkehr haben wird, ist noch völlig unklar.

Hintergrund: Die Lokführer werden bei der privaten Konkurrenz meist schlechter bezahlt als bei der DB. Das will die GDL, die etwa 80 Prozent der Lokführer bei der Bahn und mehr als 70 Prozent bei den großen Bahn-Konkurrenten vertritt, ändern. Sie fordert einen einheitlichen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr, unabhängig davon, für welches Unternehmen sie tätig sind.

Die Bahn soll also mehr zahlen als bisher, und die privaten Anbieter müssten ihr Tarifniveau dem der Bahn angleichen, was diese strikt ablehnen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte bereits einen Branchen-Tarifvertrag mit der Bahn und den sechs größten privaten Anbietern abgeschlossen, jedoch nur für den Nahverkehr. Es geht um Prozente: Die GDL sagt, die Bahn wolle nur 1,9 Prozent mehr Gehalt zahlen, zugleich aber die Wochenarbeitszeit von 38 auf 39 Stunden erhöhen, ohne Lohnausgleich. Die Bahn kontert. Sie will Löhne stufenweise erhöhen, dieses Jahr um 1,8 und im kommenden Jahr um 2,0 Prozent. Außerdem bietet der Konzern an, die Altersvorsorge zu verbessern.

In den Streit mischte sich auch bereits Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ein. Berufspendler dürften nicht „als Geiseln“ für konkurrierende Gewerkschaften herhalten. Die Bevölkerung werde für einen solchen Streik kaum Verständnis haben. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn forderte die Gewerkschaft auf, nach anderen Streikformen zu suchen, die den Reisenden weniger schaden. Der Verband hat aber Verständnis für die Wünsche der Gewerkschaft. Der Wettbewerb auf der Schiene müsse über die Qualität der Angebote gehen und nicht über niedrige Löhne für die Mitarbeiter, heißt es bei Pro Bahn.

Um eine drohendes Informationschaos bei den Reisenden zu vermeiden setzt die Bahn ab heute mehrere Hundert zusätzliche Mitarbeiter bundesweit ein, sagte eine Bahn-Sprecherin. Eine kostenlose Hotline sei unter der Rufnummer 08000/99 66 33 geschaltet. Die Bahn kündigte an, dass Kunden den Fahrpreis erstattet bekommen, wenn sie aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussproblemen ihre Reise nicht antreten können.

Was Pendler aufregt

21. Februar 2011

Verspätungen und Betriebsstörungen im ÖPNV nerven Pendler kolossal. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Regus-Umfrage. Der Analyse zufolge benötigen deutsche Arbeitnehmer täglich für ihren Weg zur Arbeit im Durchschnitt 27 Minuten. Ein Fünftel der Pendler ist sogar über eine Dreiviertelstunde unterwegs. Belastender als die benötigte Zeit sind jedoch die Erfahrungen, die die Pendler während ihrer Fahrt machen. Dazu zählen auch aggressive Autofahrer sowie eine unzureichende Informationspolitik seitens der Verkehrsunternehmen. Ebenso lassen schlechte Luft im Bus oder Zug, laute Handy-Gespräche und unangenehme Gerüche Berufstätige bereits gestresst und genervt im Büro ankommen.

Rang   Stressfaktor                                                                          Nennung

1          Verspätungen und Betriebsstörungen                                   44 %

2          schlechte/gefährliche Fahrweise                                             40 %

3          aggressive Autofahrer                                                                  38 %

4          mangelnde Information durch Verkehrsunternehmen   25 %

5          schlechte Luft und Hitze                                                                22 %

6          laute Handy-Gespräche                                                                  21 %

7          Körper- und Essensgerüche                                                          13 %

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